Pfeile für Halle und 3d

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Das Setup beim Compoundschießen wird für die Halle etwas umgestellt. Hier in Kürze: Der Effekt dickerer Pfeile und größerer Federn auf kurze und weite Distanzen.

Ich schieße das ganze Jahr 3d. Diesen Winter habe ich mir auch mehrere Hallen-Turniere für den Winter ausgesucht.

Das hat mehrere Gründe. Einer ist, dass ich seit Umstellen auf Compound mit Visier auch tatsächlich Sinn darin sehe, auf diese kleinen Scheiben zu schießen.

Ein anderer Grund: Halle ist eine gute Zeit, um wirklich gutes Schießen zu üben. Da wird nicht geschätzt, nicht bergab und bergauf geschossen – volle Konzentration auf den Punkt und auf den Ablauf.

Einmal leicht, dick und nicht zu teuer bitte

Meine ersten Änderungen waren grobe Setup-Anpassungen. Ich habe meine ultradünnen Pfeile gegen Easton Fatboys getauscht. Warum die Fatboys? Es gibt sicherlich bessere und vor allem genauere Hallenpfeile.

Aber wie oben bereits angesprochen: Ich schieße auch im Winter 3d. Da brauche ich mit den schweren Alupfeilen nicht anfangen. Und die superteuren Super-Pfeile aus Voll-Carbon sind mit für 3d wiederum zu schade. Sind ja doch anfällig, die dünnwandigen Ofenrohre, wie Fatboy und Co. liebevoll genannt werden.

Alu wäre mir auch für die Halle zu schwer. Ich will nicht zu wenig Speed – auch nicht in der Halle. Der Pfeil muss möglichst schnell aus den Bogen raus. Sonst bekommt er vielleicht noch störende Bewegungen mit, die ich wie jeder Schütze nach dem Lösen mache.

Das Zeitfenster nach dem Lösen ist nicht unendlich lang. Je nach Auszug, kann das einen mehr oder weniger merklichen Unterschied machen. Je länger der Auszug, desto größer der Unterschied.

Wie so oft ein Kompromiss

Also die Fatboys für Halle und 3d. Ein Kompromiss – wie so oft im Bogensport. Der Kompromiss Halle und 3d ist aber kein schlechter. Warum: Weil wir einen Pfeil suchen, der schnell stabilisiert (18 Meter Hallendistanz) und auch auf der Mittelstrecke (bis knapp 60 Meter 3d-Distanz) gut gruppiert.

Der dicke Easton verliert etwas schneller Speed, als meine dünnen VAP. Der Unterschied in der Flugbahn beträgt knapp 10 Prozent – wohlgemerkt: Der Fatboy ist auch 10 Grain schwerer.

Zurück zum Thema: Fürs Stabiliseren und Gruppieren sind beim Pfeil vor allem zwei Dinge entscheidend: Federn und Spitzen. Und jetzt wird’s kompliziert.

  • Schwere Spitzen und große Federn stabilisieren den Pfeilflug schnell.
  • Aber sie bremsen den Pfeil, weil er schlicht schwerer wird. Zu langsam ist schlecht für 3d.
  • Dann mach doch einen leichten Pfeil mit großen Federn – ja, naheligende Idee. Man kann leichte Spitzen mit größeren Federn etwas kompensieren. Aber – so war jedenfalls mein Vorurteil – große Federn erzeugen zu viel Luftwiderstand auf der Mittelstrecke. Das krümmt die Flugbahn und sorgt wieder für Anfälligkeit für Ablenkungen, weil der Pfeil länger in der Luft ist.

Große Federn bremsen weniger als gedacht

Ein kleiner Test hat jedoch ergeben, dass der Einfluss großer Befiederung auf der Mittelstrecke bis 60 Meter nicht so groß ist, wie gedacht. Für den Test hatte ich 3 Fatboys mit den relativ großen Blazer Vanes von Bohning befiedert.

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Die mit den kleinen X-Vanes befiederten Faboys stecken nur knapp höher als die dicken Geschwister mit den relativ großen Standard-Blazern.

3 Fatboys bekamen die kleinsten X-Vanes, die es gibt. Das sparte insgesamt 10 Grain Gewicht am Heck. Die leichteren Pfeil waren 295 Fuß pro Sekunde (fps) schnell, die etwas schwereren 288 fps. Der Federn-Effekt ist auf 60 Meter überraschend klein – siehe Bild. Also fiel die Entscheidung für die großen Federn.

Faktor Durchmesser und Befiederung bei unterschiedlichen Distanzen

 

Warum überhaupt auf dicke Pfeile wechseln?

Aber warum nimmt man überhaupt so dicke Pfeile für die Halle. Die Idee ist, dass man damit mehr Ringe „ankratzt“ oder anreißt. Über das Anreißen wird und wurde viel diskutiert. Ob das wirklich etwas bringt, wird noch immer von vielen Schützen bezweifelt.

Mein Antwort dazu: Für viele Schützen bringt es auch nichts. Es bringt nur einen merklichen Vorteil für Compound-Schützen, die in der Halle auf die Fita-Spots schießen und tendenziell häufig die 10 treffen wollen.

Man findet zu dieser Frage, ob dicke Pfeile mehr Ringe reißen, ausführlichste Diskussionen mit statistischen Auswertungen von Ergebnissen. Ich will es einfach machen:

Je kleiner das Ziel, desto größer der Effekt von dicken Schäften

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Es geht für mich als Compound-Schütze in der Halle um die Fita-10. Und diese Fita-10 ist klein, hat einen Durchmesser von 2 cm, und eine Fläche von 3,142 cm2.

Und mit dem Pfeildurchmesser wächst die Fläche, die man effektiv treffen muss, damit die 10 angekratzt ist. Siehe Bild: Mit dem Fatboy ist die 10 satte 36 Prozent größer als mit einem Victory VAP. Das ist schon was.

Je weiter man von der 10 weg trifft, desto kleiner wird der Pfeildurchmesser-Effekt. Heißt: Die Prozentzahl sinkt, um die die Fläche mit dem Dicken größer ist als mit dem Dünnen.

In dem äußeren Bereich der Scheibe ist der Effekt durch dicke Pfeile so minimal, dass er vermutlich unter einem normalen statistischen Signifikanzniveau liegt. Heißt: Im Experiment nicht nachweisbar, weil die Ring-Zahl-Unterschiede so klein sind, dass man keine allgemeinen Aussagen daraus ableiten kann.

Dennoch: Eine 36 Prozent größere Zehn ist eine 36 Prozent größere Zehn.

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2 Antworten auf Pfeile für Halle und 3d

  1. MaW sagt:

    Hi,

    ich denke, dass da evtl. ein kleiner Denkfehler ist.
    Angenommen, ein Pfeil hat 0 mm Durchmesser (theoretisch), dann wäre der maximale Ort, an dem es noch 10 Punkte gäbe, 2 cm von der Mitte entfernt.
    Wenn man nun einen Pfeil nimmt, der z.B. 0,9 cm dick ist, würde er noch punkten, wenn die Mitte des Pfeils (Pfeilspitze) bei maximal 2,45 cm von er Mitte trifft, richtig?
    Wenn die Pfeilspitze bei 2,9 cm einschlagen würde, wäre das schon 4,5 mm in der 9.

    Also darf man bei der Berechnung des FatBoys nur den halben Durchmesser (Radius) nutzen.

    Somit käme man auf folgende Werte:
    FITA 10 = 3,142 cm²
    VAP = 4,065 cm²
    FatBoy = 4,753 cm²

    Das wären dann “nur” 17% …. Aber wie du schon geschrieben hast…
    Auch 17% sind 17%

    Bei der 9 wären es dann noch 4,5% und bei der 8 dann 3%, also spätestens hier vernachlässigbar

  2. ts sagt:

    Der hier angenommene Durchmesser der 10 ist 2 cm, nicht der Radius. Es gibt also nur dann bei einem Pfeil mit Null Schaftdicke noch eine 10, wenn er 1 cm von der Mitte weg ist. Daher ist mein angenommenes Ziel nur halb so groß wie deins, MaW. Und der Effekt durch den dicken Schaft folglich nicht wie bei deiner Berechnung 17 Prozent Flächengewinn, sondern doppelt so viel, also 36…

    Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.

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