Bogenschießen für Kids: Kinder – leicht!

Passt die Aufgabe zur Fähigkeit: Bogenschießen für Kids

Passt die Aufgabe zur Fähigkeit: Bogenschießen für Kids

Ich habe einen einfachen Tipp für alle, die mit Kindern und Jugendlichen im Bogensport zu tun haben: Sorgt dafür, dass es nicht zu schwer wird. 

Kinder lieben Herausforderungen. Je schwerer die bewältigte Aufgabe, desto erwachsener fühlen sie sich. Ich trainiere mit vielen Kids im Verein und ertappe mich oft bei dem Gedanken: Warum nimmt der Schüler oder die Schülerin das jetzt so ernst? Wo ist der Spaß bei dem Ganzen? Warum macht er oder sie überhaupt weiter?

Nun, es ist eine Gradwanderung.  Einerseits ist die Förderung von Talent ein berechtigtes Interesse – sowohl des Kindes als auch der Eltern oder des Trainers. Ohne Talentförderung keine Spitzenleistung. Und auch für den ehr breitensportlich talentierten Jugendlichen lohnt es sich, Ziele zu stecken und daran zu wachsen.

Scheitern ja, aber nicht andauernd

Aber Kinder sind keine jungen Erwachsenen. Sie unterscheiden sich in der Art wie sie trainieren und lernen in vielerlei Hinsicht von uns Großen. Sie haben zum Beispiel ein viel unmittelbares Verhältnis zu Fehlern – vor allem die Kleinen.

Sie scheitern ständig bei Versuchen, Neues auszuprobieren, weil sie ständig Neues ausprobieren und damit automatisch die Anzahl der Fehlversuche ansteigt. Daher nehmen sie es auch nicht so schwer, wenn etwas auf Anhieb nicht klappt.

Haben die Kinder doch immer wieder die tröstliche Erfahrung gemacht, dass Vorhaben spätestens nach einigen Versuchen gelingen. Alle Kinderspiele sind so ausgelegt. Die Aufgaben in Kindergarten und Schule sind so gestellt, usw.

Alarmsignale beim Aussortieren

Auf der anderen Seite ist das Stressverhalten der Kids sehr viel ungeschliffener. Die Erziehungspsychologen sprechen von der Fähigkeit zur Selbstregulation. Klartext: Kids lassen ihren Frust raus – und zwar auch an sich. Scheitern sie wiederholt an einer Aufgabe, kommt der große Frust.

Beispiel Jugendliche in meinem Training: Ein Sportverband schreibt in seinem Reglement vor, dass bereits Jugendliche im Schulalter auf die Hallen-Spots schießen müssen. Die Rede ist von den drei übereinander angebrachten, kleinen Scheiben, die Visierschützen nun mal in der Halle schießen.

Diese Aufgabe empfinden die einen als motivierende Herausforderung. Andere stehen vor einem Problem, das immer unlösbarer zu werden scheint. Und an dieser Stelle wird das Reglement zum Sieb, so ist es gedacht. Es soll die Talente hervorbringen, die Spreu vom Weizen trennen.

Die gestellte Aufgabe (in unserem Beispiel die kleinen Hallenspots) soll zeigen, wer das Potenzial zum Gewinner hat. Die fatale Kehrseite der Medaille: Zu allererst fallen diejenigen aus dem Raster, die keine Gewinner sind; die Looser. Die Lektion aus fortwährendem Scheitern lautet also: Ich bin ein Verlierer.

Verlieren gehört dazu, Verlierer sein nicht

Jetzt kommt die Krux: Kinder sind oft nicht in der Lage, eine vernünftige Grenze zu ziehen. Und tragischer Weise trifft es die Ehrgeizigen und Leistungsbereiten besonders: Sie spornen sich immer mehr an, mit dem Effekt, dass sie herausfinden, nicht zu den Gewinnern zu zählen.

Heißt: Die Eltern (oder Trainer) müssen diese Grenze ziehen helfen oder die Sache ganz in die Hand nehmen. Im Extremfall würde ich sogar raten, das Bogenschießen zu verbieten. Das ist besser, als das eigene Kind immer wieder erfahren zu lassen, dass es zu den Loosern zählt. Ich bin in dem Artikel über das Geheimnis des Gewinnens bereits darauf eingegangen: Wie man von sich selbst denkt, so performt man auch, und zwar nicht nur im Sport, sondern in allen Lebensbereichen.

Mein Appell: Für Kinder lieber leicht. Hier ein Video, das zeigt, wie viel Spaß man schon mit 5 Jahren beim Bogenschießen haben kann. Das Geheimnis in dem Fall liegt übrigens einfach darin, dass der kleine Schütze aus naher Distanz auf die Ziele schießt. Durchschnittlich 5 Meter weiter, und mit dem Spaß wäre es vorbei. Aber wozu wäre das gut?

Dieser Beitrag wurde unter Home veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Bogenschießen für Kids: Kinder – leicht!

  1. Jochen sagt:

    Hallo Thomas,
    so einfach ist es, aber ich bin selbst nicht darauf gekommen.
    Mein Sohn lässt jeden dritten Pfeil am Ziel vorbei. Das nervt ihn sehr, weil ich immer treffe.

    Damit er nicht aufgibt, werden wir morgen einfach mal näher ans Ziel gehen.

    danke
    Jochen

Hinterlasse eine Antwort